ORNITO Männerschmuck
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Markus Ehrhard im Interview


  

Markus Ehrhard, warum trägt Ihr Label eigentlich nicht Ihren Namen?

Das hat einen einfachen Grund: Ständig wurde und wird mein Nachname falsch geschrieben. Die Herkunft von Ehrhard stammt aus der Erarbeitung von "Ehre" und wird somit mit "h" geschrieben. Und da ich auch international arbeite musste eine Vereinfachung her. Ornito hat nur sechs Buchstaben und bereitet europaweit keine Schwierigkeit.

 

Wie ist es zu dem Namen Ornito gekommen?

Am Anfang hatte es im wahrsten Sinne mit dem Vogel zu tun. Das Thema meines zweiten Semesters an der Trierer Fachhochschule für Modedesign, unter der Leitung von Frau Professor Uta Kimling-Greno, hatte das Entwurfsthema "Vogel". Ich hatte die irrsten Ideen im Kopf, konnte sie damals zeichnerisch nicht darstellen. Also baute ich kleine abstrakte Formen die ein Gerüst für Bekleidung bildeten und ich fand dadurch meine Ausdrucksform und Umsetzung meiner Ideen. Meine Mappe nannte ich in Abwandlung Ornito, das altgriechische Wort für den Vogel (ornitos). Heute beschreibt Ornito für mich, dass der Vogel fliegen kann, weil es seine Natur ist. Und ich bin Designer, weil das meine Natur ist.

 

Welcher Vogel fasziniert Sie am meisten und warum?

Am meisten fasziniert mich der Adler, er war schon Symbolträger von Kraft und Stärke bei römischen Kaisern. Er steht für Unabhängigkeit und Willensstärke, er ist kämpferisch und trotzdem fürsorglich. Ein Adler ist weitblickend und überblickend, und er verliert dabei nicht den Fokus und sieht auch das Kleine. Sein Tun wirkt mühelos, trotz seines grossen Kraftaufwandes.

 

Beschreiben Sie da nicht auch sich selbst?

Bis auf die Tatsache dass mein Horst eigentlich Frank heisst - ja! Ich habe eine ähnlich direkte Art, weil ich einen anderen Fokus habe. Ich sortiere sehr schnell und entscheide auch sehr schnell.

 

Was hat nun ein Haifischzahn als Logo mit dem Wort Ornito zu tun?

Da gibt es zunächst keinen direkten Bezug. Als ich mir die Wortmarke "Ornito" europaweit habe schützen lassen, war ich damals einfach noch nicht soweit, dass auch ein Symbol für meine Marke stehen kann. Ich entwarf hierzu dreidimensionale Gerüste die in der Umsetzung scheiterten. Im Entwurf von T-Shirt-Drucken habe ich immer wieder mal coole Grafiken entworfen und mir gefiel die Ausarbeitung des Haifischzahnes sehr gut, weil es auch zu meiner Geschichte gepasst hat. Aber zu der Zeit wollte ich eine Werbeagentur mit der Durchsetzung meines Konzeptes beauftragen und die zweifelten zuerst an der Tauglichkeit des Namen "Ornito". Kurz darauf zeigte ich den von mir ausgearbeiten Haifischzahn und sie fragten erneut: Was hat nun dieses Logo mit dem Namen "Ornito" zu tun? Und in diesem Moment habe ich sehr viel Geld gespart, denn diese Marketing-Menschen konnten sich auf einmal "Ornito" merken, weil Name und Logo so gar nichts miteinander zu tun hatten. Und so symbolisiert der Haizahn auch einfach meine Unabhängigkeit.

 

Wenn Sie von Gerüsten sprechen, die Skulptur scheint doch immer wieder in Ihrer Kreativität aufzutauchen?

Das liegt daran, dass ich eine Idee im Kopf immer zuerst im Raum simuliere, das Talent eines Designers liegt in seinem dreidimensionalen Vorstellungsvermögen. Ganz wichtig dabei ist die Proportion die ich dem Objekt zugrunde lege, natürlich neben Form und Farbe, die dann einem Trend entsprechen oder bewusst entgegenwirken. Im Laufe meiner Tätigkeit habe ich festgestellt, dass es für mich komplett unrelevant ist, ob ich braune Birkenstocks oder einen couturigen Kopfschmuck für Philip Treacy entwerfe, jede Umsetzung ist für mich eine Skulptur. 

 

War es dann nur eine Frage der Zeit, dass Sie Schmuck als Thema entdeckten?

Schmuck zu entwerfen war mir sozusagen in die Wiege gelegt. Der eine Grossvater war Edelsteinschleifer, der andere war Erfinder. Mein Vater gab mir sein Augenmass und eine ruhige Hand, meine Mutter ihre Begeisterung und Gespür für Mode und Ästhetik. Nach meinem Wirtschaftsabitur hätte ich in der Schmuckbranche alle Möglichkeiten in Idar-Oberstein gehabt, aber ich wollte, wie man im Englischen sagt, zu den "beautiful people". Nachdem ich dann bei diesen war, habe ich erkannt, dass ich die wirklich Schönen schon längst um mich herum hatte.

 

Vermissen Sie es nicht, weiterhin Kopfschmuck zu kreieren?

Die Arbeit des Plumassiers habe ich geliebt, man kann sehr phantasievoll sein und sich kreativ austoben. Mit meinen Londoner Referenzen wäre ich damals blöd gewesen, diese Tätigkeit nicht weiter zu verfolgen. Aber da kam mir der Deutsche Einzelhandel dazwischen, der es mir mit seinen Geschäftsgebaren unmöglich gemacht hat damit ein Business aufzubauen. Ich habe das Sprichwort erfahren, dass man sich im wahrsten Sinne mit fremden Federn schmückt. Meine unikaten Arbeiten standen ja auf Kommissionsbasis in 18 Geschäften und da man in diesen nicht bereit war ein Risiko zu tragen, war auch keine Motivation da zu verkaufen. Ich empfand es mit der Zeit mehr als respektlos mir gegenüber, dass mir Arbeiten nach einer Saison beschädigt zugesendet wurden, oder dass Artikel mit utopischen Preisen ausgezeichnet waren, die mich unverkäuflich machten, oder einer sogar mein Label herausgetrennt und sein eigenes eingesetzt hat. Die Demütigung war dann für mich grösser als die Leidenschaft zu kreieren. Nur ein einziges Geschäft von 18, das Über-Warenhaus in Berlin, war damals bereit auf eine feste Order überzugehen.

 

Das klingt wenig nach dem Schaffen eines Designers. Sind Sie mehr Unternehmer geworden?

Ein Designer ist immer ein Unternehmer, zumal ich nicht für mich selber entwerfe, sondern ich schaffe und mache, damit es anderen etwas bringt. Mir wurde diesbezüglich oft gesagt, dass Künstler und Designer in ihrer Selbstherrlichkeit keine Geschäftsleute seien. Eine solche Aussage finde ich sehr anmassend, denn ein Geschäftsmann oder ein Verkäufer ist nur so gut wie das Produkt das er vom Designer erhält. Ist das Produkt schlecht, verkauft er auch nicht gut. Ich liefere ein sehr gutes Produkt, preislich und qualitativ. Mein Ansatz geht rein über den Entwurf und nach der Sehnsucht, einen bestimmten Artikel zu schaffen, dann erst denke ich an die Vermarktung. Als Designer geht es mir darum Unwiderstehliches zu schaffen.

 

Einige Ihrer Arbeiten, wie die Kopfhörer aus Silber, haben schon künstlerischen Anspruch. Verfolgen Sie diesen Aspekt?

Nun, es gibt Menschen die bezeichnen mich als Künstler, nur weil ich mit meinen Händen etwas schaffe. In der Tat ziele ich auf einen künstlerischen Ansatz, jedoch würde ich mich im Schmuckbereich als Designer und nicht als reinen Künstler betiteln wollen. Und da es sich häufig auch um Symbole handelt komme ich ohne einen künstlerischen Ansatz nicht herum. Jedoch stelle ich weiterführend keine Fragen mit meinen Arbeiten, ich gebe nur zwei Antworten: Ja, das gefällt mir oder nein, das spricht mich nicht an. Ausgleichend zu meinem Tagesgeschäft fertige ich Skulpturen, rein unter künstlerischem Anspruch, in die ich all meine Erfahrungen und Gedanken einfliessen lasse. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Können Sie loslassen?

Manchmal arbeite ich über zwei Jahre an einer Idee, wie zum Beispiel dem Silberkreuz, bis es da ist wo es jetzt ist. Man fühlt, wenn ein Design seine Zeit bekommen soll. Einandermal ist ein Design für mich schon nach fünf Minuten der Beschäftigung komplett ausgereizt, aber es verkauft sich erstaunlicherweise sehr gut. Natürlich verkaufe ich gerne, das ist ja auch die Bestimmung als Designer zu schaffen, was der Kunde gerne besitzen möchte. Materiell, sofern es nicht gestohlen wird, kann ich loslassen, meine Gedanken und Ideen bleiben, die kann man auch nicht loslassen, auch wenn ich es wollte.

 

Wo und wie entspannen Sie sich?

In der Natur. Manchmal muss man nur einen Schritt machen und es eröffnen sich Welten in denen man alle Lösungen findet. Ich liebe es in Gummistiefeln loszugehen und zu finden. In Gummistiefeln kann ich überall durchgehen und ich habe darin meine nötige Bodenhaftung. Ein Strand ist für mich eine wahre Fundgrube, da habe ich dann auch kein Gefühl für Zeit. Ich entspanne nur dann, wenn ich kein Zeitgefühl habe. Und gerade das ist für mich wichtig, denn im Beruf habe ich ja immer nur einmal Zeit für eine Sache. Eine andere Sache ist, ich sammele leidenschaftlich gerne. Die Kpelie-Masken der Senufo haben mir es da besonders angetan. Blicke ich in diese Gesichter sehe ich Eleganz, Können und Zeit. Aus der Hand werden ausdrucksstarke Objekte geschaffen, schon alleine die Betrachtung tut mir gut, weil sie mich beruhigen.

 

Wer waren bzw. sind  Ihre Vorbilder?

Mein Vorbild war damals Philip Treacy in London und ich bin auch sehr stolz darauf sein Assistent gewesen zu sein. Zu Studienzeiten waren die Fotos seiner Modenschauen immer Vorlage für meine Illustrationen. Später hingen dann diese Hüte, die ich aus Magazinen in- und auswendig kannte, über meinem Arbeitsplatz. Wachgeküsst und gefördert wurde und werde ich immer noch von meiner ehemaligen Professorin Uta Kimling-Greno. Als Schaffender hat man nur einen Meister und sie ist meiner.

 

Wer oder was hat Sie in Ihrem Schaffen beeinflusst?

Sehr stark beeinflusst wurde ich sicherlich durch meine Ausbildung bei Escada. Ich wurde damals "amerikanisch" ausgebildet, was heisst dass man als Mensch ersteinmal gebrochen wurde um dann für die Firma funktionierend wieder aufgebaut zu werden. Heute würde ich eine Ausbildung dieser Art nicht mehr machen. Zwar habe ich fachlich das Beste und Feinste gelernt, aber ich kritisiere noch heute die Methode die dahinter stand. Daher war dann auch meine Studienzeit die beste Zeit für mich überhaupt, denn die Wahrnehmung meiner Kreativität hat mich dann sehr gestärkt und lässt mich auf mein Können vertrauen.

 

Was hätten Sie gerne entworfen oder für welches Design wären Sie gerne berühmt?

Da ich noch mitten in meiner Schaffensphase bin, sehe ich meine Arbeit noch nicht als abgeschlossen an. Yves Saint Laurent wurde diese Frage auch einmal gestellt und antwortete, dass er gerne ein Kleidungsstück wie den Trenchcoat von Thomas Burberry entworfen hätte. Später wurde Saint Laurent für seinen prägenden Stil zur Legende. Adi Dassler hat in den frühen 70ern die umstrittene Adilette entwickelt. Sie polarisiert noch heute gerade weil sie mit weissen Socken gut aussieht und funktioniert. Man kann nicht beeinflussen oder planen, dass man einen Million-Dollar-Seller entwirft. Es passiert oder es passiert nicht. Ich verfolge nicht das Ziel berühmt zu werden, mir geht es nicht um Ruhm, ich will lediglich schaffen.

 

Wie würden Sie mit wenigen Worten Ihr Design beschreiben?

Dass ich Populäres fremd aussehen lasse oder dass ich Unbekanntes vertraut aussehen lasse...ich weiss es nicht, erklären Sie es mir.

 

Woraus schöpfen Sie, oder was ist Ihr Antrieb?

Ich sehe ständig, finde ständig Dinge oder Konfrontationen die mich beschäftigen und somit auch faszinieren. Uta Kimling-Greno hat mich erst gelernt zu richtig zu sehen, zuvor hatte ich ja nur das Gefühl dazu und wusste eigentlich nicht was ich damit tun soll. Wie schon gesagt, der Vogel fliegt weil es seine Natur ist, ich entwerfe und mache, weil das meine Natur ist. Ein Psychologe würde bestimmt sagen, dass der Entwurf bei mir ein zwanghaftes Verhalten ist.

 

Markus Ehrhard, Sie entwerfen und fertigen zum Beispiel einen Heilig-Rock-Anhänger für das Bistum Trier oder die Pilgerplakette für das Domkapitel in Aachen, gleichzeitig bieten Sie buddhistischen Schmuck an, wie soll man das verstehen?

Sie haben die Phallusanhänger verschiedener Kulte vergessen zu nennen, die ich als Replik fertige. Ich finde, dass Religionen sehr gute Symbole bereitstellen, denen die Menschen vertrauen. Wir vertrauen den Symbolen und folgen ihnen, ob nun buddhistisch oder katholisch, jeder braucht seinen Begleiter. Ich selber gehöre keiner Religion an, ich interessiere mich aber für Religionen. Ich urteile ich nicht und lasse mich auch nicht verurteilen, nur weil ich mich nicht zu einer Glaubenseinstellung bekenne.

 

Der im Frühjahr 2007 verstorbenen Isabella Blow verdanken Sie die Empfehlung zu Philip Treacy in London. Wie konnten Sie eine Persönlichkeit wie sie es war von Ihrer Arbeit überzeugen?

Die Sache war, dass ich nach Escada für den deutschen Modebereich schon beste Referenzen hatte. Für eine Anstellung in vergleichbaren deutschen Unternehmen war ich einfach zu "Pink mit Goldknöpfen" und ich war ja durch die Escada-Erziehung eine auf deren Mass geschneiderte Person, also für andere Firmen nicht mehr formbar. So bin ich während meines Studiums Kontrastprogramm gefahren und habe für Birkenstocks Schuhe entworfen. Durch Isabella Blow wusste ich dann, dass es an diesem Bruch Escada/Birkenstock lag, dieser Weg hat mich damals international interessant gemacht, denn es sind zwei deutsche Firmen, die weltweit jeder kennt. Issy meinte dann zu Philip, an den die Bewerbung eigentlich gerichtet war, dass ihr dieser Widerspruch gut gefällt, und so kam eins zum anderen. Sympatisch waren wir uns übrigens nicht, trotzdem ich auch in ihrem Haus in der Theed Street zeitweise lebte. Ich verstand damals nicht, warum sie so wechselhaft war, einmal "Darling" und das nächste mal kannte sie einen nicht. Sie hatte sehr gute Kontakte aber man nahm sie nicht ernst und somit verfügte sie leider nicht über Einfluss. Überrascht hat mich ihr Tod nicht, das war ein weiteres Kapitel ihrer Inszenierung, hingegegen sehr überrascht hat mich, dass sie völlig mittelos verstarb.

 

Hatte Isabella Blow mit ihrer Empfehlung Recht?

Ich denke mal, dass Philip nicht unglücklich mit mir war. Er bezeichnete mich einmal als sein "zweites Paar Augen". Grund dafür war mein damals schlechtes Englisch. Vergeblich versuchte ich ihm meine Entwürfe zu erklären. Und so fertigte ich auch wieder kleine Modelle aus Papier, eine dreidimensionale Zeichensprache wenn man so will. Und auf dieser Ebene verstanden wir uns hervorragend ohne Worte. Meine Formen inspirierten ihn. Es ist schon eine Besonderheit, wenn man als Designer einen anderen Designer inspiriert, zumal wenn es sich um ein solches Format wie Philip Treacy handelt. Issy schrieb mir einmal in ein Buch die Widmung: "To precission and leather". In London war ich "der Deutsche", ich bin eben sehr genau und auch organisiert. Erst dort habe ich erfahren wie deutsch ich eigentlich bin. Und daswurde auch dort an mir geschätzt.

 

Welche der Persönlichkeiten, denen Sie begegnet sind, fasziniert Sie am meisten?

Beruflich empfand ich Naomi Campbell als sehr beeindruckend. In zwei Schauen bei denen ich mitgearbeitet habe, war sie als Model gebucht. Es ist sehr interessant zu sehen, dass jeder verrückt spielt, wenn sie einen Raum betritt. Ausnahmslos jeder zerrt an ihr, will ein Foto oder einen Moment ihrer Aufmerksamkeit. Sie ist immer umgeben von einer Entourage und wirkt inmitten dieser Menschen sehr fragil und scheu. Und dann, wie auf Knopfdruck, zeigt diese Person eine überirdische Präsenz wie ich sie noch bei keinem Menschen erlebt habe. Und ist die Show vorbei steht da wieder eine sehr verletzliche Frau von der man nicht annehmen würde dass sie Naomi ist.

 

Ihre Karriere liest sich zum einen wie ein Bilderbuch, zum anderen finden sich eben diese Brüche. Wie empfinden Sie selber Ihren Werdegang?

Es ist wirklich so, dass ich meinen Werdegang als Werdegang begreife und nicht als Karriere. Der Begriff der Karriere ist mir zuviel inszeniert und aufbereitet. Heute betitelt  man eine Karriere ja erst nur dann, wenn man wieder als zu bodenliegend beschrieben werden kann, sonst ist sie ja nicht bewertbar oder messbar. Natürlich wollte ich in bestimmte Positionen, ich war ja unter anderem von Escada so ausgerichtet, aber als erstrebenswert würde ich diese Gedanken heute nicht mehr formulieren. Ich habe das was ich kann von der Pike auf gelernt, das erfüllt mich mit Wissen und dem Gewissen, dass ich das Wissen auch wieder weitergeben kann. Wenn Sie mich nach einer Weiterenwicklung fragen, dann würde ich sagen, dass ich heute zum Beispiel portraitiert anstatt fotografiert werde. Es gibt einige Fotos mit mir von sehr guten Fotografen, aber darauf ist man eine Person. Auf einem gemalten Portrait ist man eine Persönlichkeit, Charakterzüge und Tugenden sind dann zu erkennen.

 

Woher stammt Ihre Identität?

Meine Herkunft, meine Heimat und meine Ausbildung sind meine Identität, alles andere hat mir nur gezeigt, wo ich nicht hin gehöre.

 

Kann man da heraushören, dass die Mode Sie enttäuscht hat?

Ganz ehrlich? Ja, das hat sie! Margaretha Ley sagte damals zu mir: "Markus, wenn Du diesen Abschluss erreichst, dann steht Dir einer Top-Karriere nichts im Weg. Fleiss und Ehrgeiz wird immer belohnt." Dem war aber leider nie so, auch nicht nach meinem tollen Diplom oder meinen Preisen und Auszeichnungen. Ich hatte eher das Gefühl, je besser meine Referenzen, umso schwerer der weitere Weg. Trotzdem ist es schon ein erhebendes Gefühl für Menschen wie Philip Treacy oder Grace Jones zu arbeiten, in diesem Dunstkreis zu sein und den Job zu haben, den jeder gerne möchte. Bei Escada habe ich schon recht früh erfahren, dass es die Mode an sich nicht gibt, es gibt nur ein Bild von ihr. Und dieses Bild ist manipuliert und mit harter Arbeit gemacht. Letztendlich hat es mich einfach zu viel Entbehrungen, persönlicher wie finanzieller Art, gekostet und das war mir dieses Bild zu schaffen nicht mehr wert. Ob Sie es glauben oder nicht, aber für vier Wochen Arbeit an einer Haute-Couture Show habe ich £ 1050,- verdient und das reicht vorne und hinten nicht, schon gar nicht in London.

 

Was haben Sie dann aus der Mode übernommen?

Ich hoffe nichts.

 

Was ist das Schönste das Sie in Ihrer Karriere gemacht haben?

Das Schönste war bestimmt der "Paradise Veiling Hat" den ich für Philip Treacys Haute Couture Show in Paris im Jahre 2001 gefertigt habe. Er fragte mich dann vor der Anprobe wen ich als Model darin sehe und ich meinte Alec Wek. Und zur Anprobe kam er tatsächlich mit Alec an der Hand und ich durfte sie für die Show buchen. So hart und mühsam die Arbeit auch war, aber ich liebte es damals für die Haute Couture zu arbeiten. 2003 haben wir sehr elegante Hüte und Kopfschmuck für die Couture Show von Valentino gefertigt, da waren auch ausgesprochen schöne Kreationen dabei.

 

Sind Sie eitel, Herr Ehrhard?

Ja und nein. Als Profi stimmt bei mir der Lack. Und nein, ich habe eine Vorliebe für graue Kapuzenshirts und einfache Latschen. Die Mode bietet jedem die Möglichkeit durch seine Erscheinungsform, heute eher eine Erkennungsform, seine Herkunft zu verschleiern oder was vorzugeben, was man nicht ist. Was für mich zählt ist meine Arbeit und keine Äusserlichkeit. Meinen Schmuck trage ich mit Stolz, denn er ist ehrlich.

 

Welches ist Ihr Lieblingsstück und wie ist die Geschichte dazu?

Mein Lieblingsstück ist und bleibt der Haifischzahn. Am Strand von Flagler Beach in Florida habe ich mir bei jedem Aufenthalt eine einfache Kette mit einem Haifischzahn gekauft. 2004 ist mir eine solche Surferkette gleich kaputt gegangen und ich war, dadurch ausgelöst, mehr darüber verärgert, dass ich sowas Lausiges gekauft habe und ich immer für andere sehr gute Sachen gearbeitet habe und nie etwas Gutes für mich selbst. Und da alles Hand und Fuss hat was ich mache, habe ich einen Haifischzahn in Silber gegossen. Das war mein erstes Stück und gleich auch die Signatur dieser Linie.

 

Wo sehen Sie sich mit Ihrem Schmuck?

Fragen Sie besser nach dem wann, denn mir gefällt der Gedanke, dass man in 2000 Jahren bei Ausgrabungen in Trier einen Haifischzahn und Kopfhörer aus Silber findet die mit Ornito gestempelt sind und es dann auch Menschen gibt, die sich Gedanken darüber machen was da mal einer gemacht hat.

 


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