Der Florentiner Diamant

Der Florentiner, der im Besitz der Medici in Florenz war und daher seinen Namen bezog, wurde in der Literatur mit einer hellgelben Farbigkeit mit einer leicht grünen Eintönung beschrieben.

Gefunden wurde dieser farbige Diamant in der Golconda Mine in Indien. Weitere berühmte Diamanten wie der Schah von Persien, Orloff, Großmogul, Nassak, Koh-I-Noor, Regent oder auch der Sancy Diamant wurden in dieser Mine um 1500 gefunden. Aber im Besonderen war die Golconda Mine für seine sogenannten großen "fancy diamonds", also farbige Diamanten wie der blaue Wittelsbach (heute Wittelsbach-Graff), der Blue Hope oder den Dresden Grün bekannt. In dieser genannten Riege gilt der Florentiner als einer der anspruchvollsten und vollendetsten Schliffe aus dieser Zeit. Sein Gewicht wurde damals mit 137,27 ct angegeben, was 140.91 ct in heutiger Karatangabe entspricht.
Für einen Nachschliff, den ich nun zusammen mit meinem Vater durchführe, habe ich einen passenden Gelbquarz ausgesucht. In alten Unterlagen habe ich eine korrigierte Beschreibung gefunden, die den Schliff als 9-sided double rose cut beschreibt und, anstatt 171, insgesamt 135 Facetten aufzeigt. Es hat sich gezeigt, dass diese Nachbildung meisterliche Ansprüche an das Schleifen stellte. Die Form und das Anlegen der Facetten erforderten höchste Präzision.

Jean-Baptiste Tavernier (1605-1689), ein französischer Edelsteinhändler, dokumentierte den Diamanten erstmals als er sich im Besitz der Medici in Florenz befand. Dabei zeichnete er eine sternförmige Silhouette des Diamanten. Der Florentiner wurde im 15. Jahrhundert auch als Tuscan oder Tuscany Diamond bezeichnet.
1737, nach dem Tod des letzten Medici, wurde der Florentiner in die Österreichischen Kronjuwelen in der Wiener Hofburg aufgenommen. Eine schwarzweiße Fotoaufnahme aus dem Jahr um 1900 einer Parrure-Brosche, als Teil eines Hutgesteckes, der Habsburger in Österreich soll angeblich den Florentiner in einer Fassung zeigen. Jedoch weicht die Silhouette erheblich von den Aufzeichnungen von Tavernier ab und zeigt eine tropfenförmige abgerundete Ansicht. Daher kann man lediglich Mutmaßungen zur Form anstellen. Auch liegt die Vermutung nahe, dass ein neuer Besitzer gerne einen neuen Schliff an einem Diamanten vollzog, um einen eigenen Namen für die Geschichte zu etablieren. So wurde der Florentiner im Besitz der Habsburger auch als Austrien Diamond oder Austrian Yellow bezeichnet. Leider wirkten sich solche Umschliffe, wie auch im Fall des Koh-I-Noor, dramatisch auf Kosten des Gewichtes und die Brillianz eines Diamanten aus.

Nachdem der Habsburger Karl II aus Österreich nach dem Ersten Weltkrieg in Schweizer Exil ging, war der Florentiner noch in seinem Besitz. 1918 wurde der Diamant angeblich von einem Vertrauten des Hofes gestohlen. Seither kursieren Gerüchte um den Verbleib des Diamanten. Immer wieder tauchen Vermutungen auf, dass der Florentiner zum Beispiel in Südafrika umgeschliffen und in die USA verkauft wurde. Oder gar, dass der Tiffany Diamant der ehemalige Florentiner sei. Dass dies nicht der Fall sein kann, zeigt alleine das Größenverhältnis, ein Neuschliff würde niemals diese Größe und Gewicht ergeben. Zudem ist der Fund des Tiffany-Diamanten genauestens dokumentiert. Es ist aber mit großer Sicherheit davon auszugehen, dass der Florentiner zu einer neuen Form umgeschliffen wurde und sich in irgendeinem Privatbesitz versteckt.

Die beiden abgebildeten Nachschliffe des Florentiner der Emil-Juchem-Sammlung, rechts eine Anfertigung von Emil Juchem selbst, zeigen zum einen eine Anfertigung in Weißtopas (Dichte bei 3,56) mit 122,85 ct und in Gelbquarz (Dichte bei 2,62) mit 80,51 ct. Hierbei stellt sich eindrucksvoll dar, wie unterschiedlich sich die Dichte eines Edelsteines auf das Gewicht auswirkt. Bei annähernd identischer Größe, Schliff und Facettenzahl ergibt sich ein Gewichtsunterschied von über 42 ct.

Um sich der Präzision der Reproduktion zum Original in Diamant (Härte bei 3,52) zu nähern, lassen sich über den den Topas sehr gut Rückschlüsse auf die wirkliche Größe ziehen.

 

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