Made in Idar-Oberstein - eine Dokumentation

Markus Ehrhard, der Designer von ORNITO, ist in Idar-Oberstein aufgewachsen. Sein familiäres Umfeld ist von Edelsteinschleifern, Graveuren und Goldschmieden geprägt. Der eine Großvater war Edelsteinschleifer und war für Nachschliffe weltberühmter Diamanten bekannt. Ehrhards Vater hat ebenfalls als Edelsteinschleifer unter anderem auch in Brasilien und Mosambik gearbeitet. Früh erkannte Markus Ehrhard den hohen Anspruch den das Material Edelstein und Edelmetall, und später auch der Anspruch seiner Kunden, verlangte. Diese Ansprüche wurden zu seinem Maßstab.

Die kleine Stadt Idar-Oberstein, im idyllischen Hunsrück, ist weltweit der Begriff für Schmuckanfertigungen auf höchstem Niveau. Ehrhard vertraut in der Schmuckstadt auf generationsübergreifende Kontakte, die erst diesen individuellen und ausdrucksstarken Schmuck für Männer und Frauen umsetzbar machen.

 

"Der Vogel fliegt, weil es seine Natur ist. Ich bin Designer, weil das meine Natur ist. Das ist eigentlich schon die ganze Philosophie die hinter ORNITO (altgriech.: für den Vogel) steht. Im Folgenden zeige ich am Beispiel des Kerry Kreuzes, wie ich da mit welchen Methoden vorgehe.

Noch vor der Idee an sich, ist es bei mir die Sehnsucht ein bestimmtes Objekt zu haben. Das kann nun ein Haizahn sein, den ich am Strand gefunden habe, oder auch Gummistiefel, die ich bei diesem Spaziergang anhatte, und ich dieses Objekt als Schmuck in Silber tragen möchte.

Es kann aber auch eine Zeichnung oder eine Konstruktion sein. Oder, wie im Bild links gezeigt, eine kleine Abbildung eines Kreuzes auf einer alten Urkunde.

Meine Inspirationen sind vielfältig, sie können von einem Objekt, aber auch von einem intellektuellen Thema, wie "Hält die Moderne, was die Antike verspricht" ausgehen."

Der lange Weg der Umsetzung:

"Die Idee an sich ist immer schnell geboren und genauso schnell stellt sich die Frage bezüglich der Umsetzung. Nach jahrelanger Entwicklung und Erfahrung ist es mittlerweile relativ einfach, ein organisches Objekt kalt in Silikon und unter Vakuum abzuformen. Wobei man bei jedem Objekt immer wieder etwas Unvorhersehbares geschieht und man wieder etwas Neues lernt.

Anders ist der Prozess, wenn ich neue Techniken anwende. So zum Beispiel die Übersetzung einer zweidimensionalen Zeichnung, wie das Kreuz auf der alten Urkunde, in eine virtuelle dreidimensionale Animation.

Mit Hilfe eines Grafikprogrammes setzte ich, wie in diesem Fall die Abbildung des Kreuzes, in eine dreidimensionale Ansicht mit genauen Größenangaben. Proportionen, Volumen, die Weichheit der Kanten oder auch die Größe und Position der Durchziehöse für die Lederkette kann ich mit Hilfe des Programmes bestimmen und animieren. Durch Drehen und Bewegen sehe ich mir das Objekt von allen Seiten in der Animation an, um gegebenenfalls kleine Korrekturen vorzunehmen."

 

State of the art:

"Als Designer ist es selbstverständlich nicht nur Neues zu gestalten, sondern auch mit den neuesten Methoden und Techniken zu arbeiten. Und so ist die Anwendung des 3d-Designs unumgänglich und in meinem Schmuckdesign ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil in der Gestaltung.

Nach der Animation wird der erste Prototyp dann in Polyester im 3d-Druck erstellt. Der Ausdruck ist extrem hart und sehr detailliert. Korrekturen sind nicht der mehr möglich. Oft erstelle ich zu einem Design mehrere Prototypen und entscheide erst nach dem Ausdruck, für welche endgültige Form ich mich dann entscheide. Bei dem Kerry Kreuz haben mir zwei Varianten sehr gut gefallen. So gibt es für Frauen und Männer eine gefällige Ausfertigung und für die Mutigen die voluminöse Bold-Version.

Stimmen die Funktionen und Proportionen einmal, wird aus diesem weißen Druck eine Silikonform erstellt. 

Materialeinsatz und der Guss:

"Die Silikonform wird 24 Stunden lang unter Vakuum gezogen, so binden die synthetischen Polymere direkt am abzubildenten Objekt ohne Einschluss von Luft. Der Silikonblock wird aufgeschnitten und der gedruckte Prototyp herausgelöst. Nun kann die Hohlform mit flüssigem Wachs ausgefüllt werden und die Modellwachse später in einem Gussprozess in entsprechendem Edelmetall gegossen werden. Meine Legierungen sind Rote Bronze, 935er Silber und, auf Anfrage und aktuellem Tageskurs, 750 Gelbgold (18ct) sowie 750er Weißgold (18ct) mit Paladium.

Handelsüblich ist das bekannte 925er Silber, das auch als Sterlingsilber bezeichnet wird. Das Silber bei ORNITO hat 10 Anteile Silber mehr in der Legierung, und wird auch mit 935 punziert. Grund ist die edlere Farbigkeit des Silbers und bessere Eigenschaften der Patinierung. Gerade bei einer körnigen Oberfläche, die durch den 3d-Druck entsteht, wirkt eine Oxidierung interessant.

Ich verzichte bewusst auf ein Rhodinieren des Silbers, Oxidationen der Oberfläche sind ein gewünschter Prozess. Im Fall des Kerry Kreuzes zum Beispiel wird zusätzlich mit Noirit das Silber geschwärzt um einen Vintage-Look zu erhalten und interessante Strukturen herauszuarbeiten."

 

Das fertige Produkt:

"Nach dem Guss, der ebenfalls in Idar-Oberstein ausgeführt wird, kommt dann die Versäuberung und die Bearbeitung des Schmuckstückes. Hier entscheide ich, ob das Finish poliert, geschmirgelt oder gebürstet sein soll. Ebenfalls schaue ich, wie ich zum Beispiel durch Schwärzen einen charakterlichen Look erzeugen und eine unverwechselbare Ausdrucksstärke erzeugen kann. Ich bin kein Freund alles zu Polieren, Polituren lassen einen Anhänger gerne blechig aussehen. Am liebsten mag ich es einen Anhänger direkt aus dem Guss kommt und noch warm ist. Ab dann entschleunigt sich der Enstehungsprozess und die Fertigstellung steht kurz bevor.

Abschließend erhält jedes meiner Schmuckstücke die Punze für das Silber, den Namen ORNITO, und sofern ausreichend Platz vorhanden, mein Logo.

Getestet und fotografiert setze ich den neuen Artikel dann online und stelle ihn in meinen Profilen auf Facebook und Instagram vor.

 

"Hier wird man noch vom Chef persönlich bedient!"

"So bewertete mich einmal ein Kunde, der wohl sehr überrascht war, das ich direkt mit ihm kommunizierte. Zunächst fand ich das lustig, aber dann erkannte ich, dass mich das ja auch aus macht. Dass der Kunde genau das auch will.

Ich bin eben ein Ein-Mann-Betrieb und es ist mir sehr wichtig, dass ich als Hand- wie Kopfwerker alle meine Arbeiten auch mit meinen Händen ausführe...und natürlich ist der neueste Anhänger auch immer mein absoluter Lieblingsanhänger."

 

 

 

 

Ihr

Markus Ehrhard